FDGB-Lexikon, Berlin 2009


Johannes-Sassenbach-Stiftung Bibliothek und Archiv der Gewerkschaftsbewegung. Die J.S.S. wurde am 1.10.1990 gegründet und war eine der beiden Stiftungen, die auf Grund des noch kurz vor der Wiedervereinigung erlassenen Stiftungsgesetzes der DDR zustande kamen. Ihr Zweck bestand in der Sicherung, Erhaltung, Erschließung und öffentlichen Nutzung der Sammlungen der Zentralbibliothek der Gewerkschaften in dem sog. Beitrittsgebiet; ihr oblag damit die Betreuung einer/s der größten und bedeutendsten Gewerkschaftsbibliotheken bzw. -archive Europas. Der Namensgeber, Johannes Sassenbach (*12.10.1866-19.11.1940), ein führender Vertreter der Gewerkschaftsbewegung zu Beginn des 20. Jh., war der Begründer des gewerkschaftlichen Verlags- und Bibliothekswesens in Deutschland.
Die Idee zu einer solchen Stiftung erwuchs aus dem Umstand, dass eine Weiterführung des Gewerkschaftsarchivs in der Obhut des neuen, erheblich verkleinerten Gewerkschaftlichen Dachverbandes FDGB nicht mehr möglich war. Kurzfristige Überlegungen einer Zusammenlegung des Archivs mit der Gewerkschaftshochschule Bernau wurden fallengelassen zugunsten einer Lösung nach dem Vorbild der Friedrich-Ebert-Stiftung. Einer Gruppe von Gewerkschaftern um Martin Vogler, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes, gelang es, die Angelegenheit soweit voranzutreiben, dass im Spätsommer 1990 alles unter Dach und Fach schien. Nachdem der FDGB-Auflösungskongress im September für eine finanzielle Absicherung gesorgt hatte (er bewilligte 2,8 Mio. DM Startkapital), wurde die J.S.S. aus der Taufe gehoben.
Auf Grund der rückwirkenden Unterstellung des FDGB-Vermögens unter die Obhut der Treuhandanstalt (Gewerkschaftliche Vermögensverwaltungsgesellschaft „Märkisches Ufer“ mbH) wurde im August 1991 die Vermögensausstattung der J.S.S. widerrufen und ihr somit die finanzielle Basis entzogen. Nachdem ein Hilfeersuchen an den DGB erfolglos geblieben war, suchte man die Unterstützung des Berliner Senats und der Bundesregierung. Im August 1992 wurden die Bestände der J.S.S. an die neu gegründete Stiftung „Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ (SAPMO) im Bundesarchiv übergeben. Gleichzeitig wurde die Johannes-Sassenbach-Gesellschaft e.V. ins Leben gerufen, deren Zweck die Förderung von Forschungen und Publikationen zum Thema Gewerkschaften war. Im September 1993 wurde die J.S.S. schließlich „aufgehoben“.
F.-O.G.