FES HOME MAIL SEARCH HELP NEW
[DIGITALE BIBLIOTHEK DER FES]
TITELINFO / UEBERSICHT



TEILDOKUMENT:




Standort-Kosten: vergleichende Indikatoren

Als wichtigster Kostenfaktor eines Standorts werden gemeinhin dessen Arbeitskosten angesehen. Sie bestehen aus den Löhnen und den Lohnnebenkosten (Lohnzahlung für nicht geleistete Arbeit, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Sachleistungen). Auch wenn sie in den meisten Unternehmen nur einen relativ geringen Teil der Produktionskosten ausmachen, so fließen sie doch in den größten Teil der sogenannten Vorleistungen mit ein. Gesamtwirtschaftlich bekommen sie somit ein großes Gewicht.

Die deutschen Arbeitskosten waren 1992 eindeutig die höchsten. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.

Die Arbeitskosten müssen nun freilich in Bezug gesetzt werden zur Leistung pro Arbeitsstunde, zur Produktivität. Zu vergleichen sind also die Lohnstückkosten. Gesamtwirtschaftlich stößt das jedoch auf große Schwierigkeiten. Denn über die unterschiedlichsten Branchen hinweg läßt sich die Arbeitsleistung nur in Geldwerten ausdrücken. Diese aber spiegeln das nationale Preisniveau wider und verzerren so den internationalen Vergleich, wenn nicht mit großem Aufwand das „Stück Bruttosozialprodukt" für alle Länder nach seinem gleichen realen Gehalt bewertet wird. Man beschränkt sich deshalb darauf, die Entwicklungen im Zeitverlauf zu vergleichen: von einem (willkürlichen) Basisjahr ausgehend die Zunahme der Arbeitskosten gemessen an der Zunahme der Produktivität.

Die Steigerungen in den letzten 12 Jahren waren insgesamt höher als in USA und Japan, aber geringer als in den großen europäischen Industrieländern. Anders sieht es jedoch aus, wenn Löhne und Stückkosten in der gleichen Währung ausgedrückt werden - ein Vergleich, auf den es für die Wettbewerbsfähigkeit letztlich auch ankommt.

Der Grund für das Davoneilen der deutschen - ähnlich wie der japanischen - Lohnstückkosten ist die Aufwertung der D-Mark gegenüber anderen Währungen. Sie benachteiligt die Unternehmen am Standort D nicht nur in Bezug auf die Löhne, sondern auf alle Kosten, die sich national unterschiedlich bilden, wie z.B. Mieten. In Bezug auf importierte Vorleistungen entsteht jedoch kein Kostennachteil.

Man kann das Augenmerk nun direkt auf den Gesamtkostenvergleich lenken, indem man die Entwicklung des realen Außenwertes der DM betrachtet. Er gibt an, wie sich die DM über das Maß hinaus verteuert oder verbilligt hat, das die Inflationsunterschiede zwischen den Ländern kompensiert. Nur dieses „Überschießen" erzeugt für den Standort D Kostennach- oder -vorteile.


© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | Juli 1999

Previous Page TOC Next Page