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Eine alternative Erklärung für die Nachfrage nach Arbeit



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Die Grundgedanken

Eine alternative Erklärung für den Einsatz von Arbeit und Kapital geht von zwei Grundgedanken aus: Kurzfristig ist das Verhältnis von Arbeits und Kapitaleinsatz fix. Um mehr zu produzieren, muß man beide proportional erhöhen. Der stärkste Einfluß auf die Arbeitsnachfrage geht deshalb kurzfristig von den Produktionserwartungen aus. Längerfristig steigt die Kapitalintensität in Abhängigkeit vom technischen Fortschritt und nicht von den Faktorpreisen: Da mehr Kapital je Arbeitsplatz auch eine qualitativ andere Kapitalausstattung bedeutet, steigt die Arbeitsproduktivität mit der Kapitalintensität. Da sich überdies die Lohnzuwächse an der Arbeitsproduktivität orientieren, ist die Wahl zwischen der Beibehaltung des bisherigen und der Einführung eines kapitalintensiveren Verfahrens unabhängig vom Verhältnis Arbeits- zu Kapitalkosten.

Eine Produktionssteigerung kann prinzipiell auf zweierlei Weise realisiert werden: durch einen höheren Einsatz von Kapital und Arbeit gleicher Qualität, wobei Produktionstechnologie, Kapitalintensität und Arbeitsproduktivität konstant bleiben (Bewegung entlang eines Prozeßstrahls) oder durch eine Vermehrung und damit Verbesserung der Kapitalausstattung der Arbeitsplätze und das mit diesem Prozeß verbundene Lernen der Arbeitskräfte, wobei Kapitalintensität und Arbeitsproduktivität als Folge der neuen Technologie ansteigen (an Bewegung zu einem steileren Prozeßstrahl).

Der Wachstumspfad einer Volkswirtschaft ergibt sich aus der Höhe der Realkapitalbildung sowie ihrer Qualität, also der Prozeßtechnologie.

Das Tempo der Realkapitalbildung: Das Tempo der Realakkumulation und damit des Wirtschaftswachstums hängt von den Erwartungen der Unternehmer hinsichtlich folgender Faktoren ab:

  • Dynamik der Nachfrage, insbesondere des privaten Konsums, der Nachfrage des Staates, sowie der Exporte und damit auch der Wechselkurse,
  • Entwicklung der Produktionskosten, insbesondere der Löhne und Zinssätze sowie der Rohstoffpreise,
  • Profitabilität und Risiko realer Investitionen im Vergleich zu kurzfristig orientierten Aktivitäten auf Finanzmärkten,
  • Verschuldensbereitschaft der Unternehmer, welche in hohem Maß von der Relation zwischen Zinssatz und Wachstumsrate bestimmt wird.

Das Tempo des technischen Fortschritts: Die Rate des (prozeß)technischen Fortschritts und damit die Zunahme der Kapitalintensität entscheiden darüber, ob das Wirtschaftswachstum stärker durch steigende Arbeitsproduktivität oder steigende Beschäftigung realisiert wird; dies hängt im wesentlichen von folgenden Faktoren ab:

  • Hat das Vollbeschäftigungsziel einen hohen politischen Stellenwert, so wird ein beschäftigungsintensives Wachstum gefördert. Dominieren "lean production" und "shareholder value"; wird sich eher ein kapitalintensives Wachstum durchsetzen.
  • Je schneller der prozeßtechnische Fortschritt und je höher der Stellenwert der technologischen Konkurrenz ist, desto stärker nimmt die Kapitalintensität zu.
  • Ein hohes Qualifikationsniveau des Arbeitsangebots erleichtert technische Innovationen. Uumgekehrt begünstigt ein hohes Angebot an unqualifizierten Arbeitskräften die Produktion in Niedriglohnsegmenten.
  • Je stärker die Arbeitnehmer an ihre Unternehmen gebunden sind, desto geringer ist für letztere das Risiko der (Human)Kapitalbildung. Umgekehrt begünstigt ein „hire and fire" das Enstehen von Niedriglohnjobs.
  • Arbeitslosenunterstützungen, eine aktive Arbeitsmarktpolitik und eine solidarische Lohnpolitik unterstützen die Überwindung regionaler oder sektoraler „mismatches" durch eine bessere Qualifikation der Arbeitskräfte statt durch Lohnsenkungen.

© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | Mai 1999

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