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TITEL/INHALT

Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999

Stichtag:
Ende 1908

Die Wirtschaftskrise hat auch in diesem Jahr angehalten. Die wirtschaftliche Krise hat auch der Lohnbewegung ihren Stempel aufgedrückt. Die Arbeitskämpfe sind an Zahl und Umfang ganz erheblich zurückgegangen, nicht nur die Angriffskämpfe, sondern auch die Abwehrstreiks und Aussperrungen. Gleichzeitig ist eine Zunahme der Tarifabschlüsse und besonders ein auffälliges Vordringen der Reichs- und Bezirkstarife in zahlreichen Berufen bemerkenswert. Im Holzgewerbe, im Baugewerbe, im Malerberufe und im Schneidergewerbe wurden Reichstarife teils angebahnt, teils beschlossen, in der Lederindustrie, im Kupferdrucker-, Chemigraphen- und Xylographenberufe wurden die Centraltarife unter Verbesserungen für die Arbeiter erneuert.

Zwischen der Generalkommission und der SPD werden für die künftige Jugendarbeit die Aufgaben verteilt.
Dies zwingt die Gewerkschaften zur Aufgabe ihrer organisatorischen Abstinenz im Jugendbereich.

Der Generalkommission sind 60 Verbände mit 1.873.150 Mitgliedern, davon 132.820 weiblichen, angeschlossen.
Die größten Verbände sind die der Metallarbeiter mit 362.200, die der Maurer mit 180.700, die der Holzarbeiter mit 147.490 Mitgliedern.
Die kleinsten Verbände sind die der Notenstecher mit 415, die der Schirmmacher mit 450 und die der Asphalteure mit 484 Mitgliedern.
1908 gaben die Verbände jeweils fast das Doppelte für Arbeitslosen- (16%) und für die Krankenunterstützung (17%) als für Streikunterstützungen (rund 10%) aus.
Der Verband der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine umfaßt 25 Gewerkvereine mit rund 105.630 Mitgliedern, davon rund 7.000 weiblichen.
Die größten Gewerkvereine sind die der Maschinenbau- und Metallarbeiter mit 38.000, die der Kaufleute mit 18.170 und die der Fabrik- und Handarbeiter mit 15.250 Mitgliedern.
Die kleinsten Gewerkvereine sind die der Reepschläger mit 43, die der Gärtner mit 70 und die der Eisenbahner mit 120 Mitgliedern.
Dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften sind 22 Gewerkschaften mit 260.770 Mitgliedern, davon 22.090 weiblichen, angeschlossen.
Die größten Gewerkschaften sind die der Bergarbeiter mit 74.810 Mitgliedern, die der Textilarbeiter mit 33.700 Mitgliedern, davon 10.890 weiblichen, und die der Bauhandwerker und Bauhilfsarbeiter mit 31.150 Mitgliedern.
Die kleinsten Gewerkschaften sind die der Gärtner mit 733, die der Steinarbeiter mit 995 und die der Nahrungsmittelarbeiter mit 1.060 Mitgliedern.

In diesem Jahr fanden mit 5.837 gegenüber 1907 27,5% weniger Lohnbewegungen statt, von denen 2.052 mit Streiks und Aussperrungen verbunden waren.
Beteiligt waren rund 742.000 Beschäftigte. Erfolgreich waren 51,8%, teilweise erfolgreich 24,4%, erfolglos 20,3%.
1908 fanden 2.052 Arbeitskämpfe statt. 26,5% weniger als 1907. Beteiligt waren 126.880 Personen.
Von den 2.052 Arbeitskämpfen waren 678 Angriffsstreiks, 1.117 Abwehrstreiks und 257 Aussperrungen.
Von den Angriffsstreiks enden 312 erfolgreich, 175 teilweise erfolgreich, 166 erfolglos. Von den restlichen Streiks ist das Ergebnis unbekannt bzw. sie waren noch nicht beendet.
Von den 1.117 Abwehrstreiks endeten 525 erfolgreich, 139 teilweise erfolgreich und 410 erfolglos. 26 Streiks sind noch nicht beendet, von 17 Streiks ist das Ergebnis unbekannt.
An den 257 Aussperrungen waren 60.580 Personen beteiligt. 21% der Aussperrungen enden für die Arbeitnehmer erfolgreich und 48,3% teilweise erfolgreich.

In die Statistik der Generalkommission werden nun auch statistische Materialien über Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung, Arbeitsmarkt und Arbeitslosigkeit, Gewerbe-, Berg- und Kaufmannsgerichte, seit 1910 die der Tarifverträge aufgenommen.

77% der Belegschaft des MAN-Werkes in Augsburg gehören dem "gelben Arbeiterverein vom Werk Augsburg" an, der im Herbst 1905 gegründet worden war.

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net edition fes-library | 1999