Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
Das "Correspondenzblatt" kommentiert die Rede von Giesberts auf dem Breslauer Kongreß der christlichen Gewerkschaften: "Und dieser Mann, der die Notwendigkeit der Klassenorganisation der Arbeiter so entschieden vertritt, an das Klassenbewußtsein der Arbeiter appelliert, leugnet die Notwendigkeit des Klassenkampfes und kann doch nicht umhin, die Einsichtslosigkeit der besitzenden Klasse zu beklagen und den rücksichtslosen Klassenkampf der Kapitalsherren einzugestehen. Der brutale Kapitalismus, wie er im Ruhrrevier herrscht, ist verantwortlich für den Radikalismus in unseren Reihen, rief er aus. Und was ist es anders, als die Anerkennung des Klassenkampfes, wenn er erklärt: Weder die Arbeitgeber, noch die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit, noch der Staat haben ihre Pflicht gegen die Arbeiter erfüllt; keinem Menschen würde es eingefallen sein, Sozialpolitik zu treiben, wenn die Arbeiter nicht selbst ihre Unzufriedenheit zu erkennen gegeben hätten, und stets hätten die unteren Klassen um ihre Rechte kämpfen müssen, - deshalb müssen auch wir kämpfen! In der Tat war die Rede Giesberts eine Anerkennung des Klassenkampfes; nur mit den Konsequenzen desselben vermag er sich nicht zu befreunden."
Stichtag:
18. August 1906