Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
Im Berliner Gewerkschaftshaus beginnen die ersten von der Generalkommission organisierten Kurse im wesentlichen für "besoldete Gewerkschaftsbeamte". Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 50 beschränkt. Jeder Kurs dauert 4 Wochen. Die Teilnehmer sind verpflichtet, sämtliche Vorträge und Diskussionen zu besuchen. Über die Teilnehmer wird ein Kontrollbuch geführt. Die Ausgaben für die Schule und die Lehrkräfte bestreitet die Generalkommission, die Aufenthaltskosten sind von den entsendenden Organisationen zu tragen. Folgende Themen werden behandelt: Theorie und Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung; die gegnerischen Gewerkschaftsorganisationen in Deutschland; die Gewerkschaftsbewegung im Auslande; die Versicherungsgesetzgebung; die Arbeiterschutzbestimmungen; die Gewerbeordnung; Einführung in die Nationalökonomie; Kartelle und Unternehmervereinigungen; Vorbedingungen der Statistik; Einführung in die gewerkschaftliche Literatur sowie Buchführung und kaufmännischer Verkehr. Vertreter der Handschuhmacher, Kürschner, Lederarbeiter, Portefeuiller, Sattler und Schuhmacher beraten in Berlin über eine Verschmelzung der Verbände der Lederindustrie. Sie nehmen einstimmig eine Resolution an, in der es u.a. heißt: Die Verschmelzung ist keine Frage des Prinzips, sondern der Taktik. Sie darf vor allem nicht nur durch Kongreßbeschlüsse herbeigeführt werden, sondern muß getragen werden von einem wirklichen Bedürfnis, das auch der wirtschaftlichen Entwicklung und den Erfahrungen aus den Kämpfen mit den Unternehmern entspringt.
Stichtag:
20. August 1906
Die Unterrichtskurse haben nicht das Ziel, den Teilnehmern ein abgeschlossenes Wissen zu bieten, sondern sie in die hauptsächlichen Arbeits- und Wissensgebiete der Gewerkschaftspraxis theoretisch einzuführen und sie zu weiteren Studien anzuregen.
Die Konferenz ist der Ansicht, daß weder die wirtschaftliche Entwicklung, noch der tägliche Kampf mit den Unternehmern die Notwendigkeit einer sofortigen Verschmelzung zwingend dartun.
Wenn die Verbände in diesem Sinne verfahren, dürfte bei einer späteren Verschmelzung nicht nur eine Änderung der Form und des Namens Platz greifen, sondern eine wirkliche Verstärkung der Position der Lederarbeiter aller Branchen in ihrem Kampfe gegen die Unternehmer daraus resultieren.
Außerdem wird den Verbandsvorständen zur Pflicht gemacht, zur Betreibung gemeinsamer Agitation, sowie zur Errichtung gemeinsamer Zahlstellen in zurückgebliebenen Orten besondere Vereinbarungen zu treffen.