Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
E. Bernsteins Programmschrift "Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie", aufbauend auf seinen Aufsätzen "Probleme des Sozialismus", wird veröffentlicht; im September erscheint K. Kautskys Antwort "Bernstein und das sozialdemokratische Programm, eine Antikritik".
Stichtag:
Januar 1899
Nach E. Bernstein hat sich die Voraussage der Erfurter Programms über die wachsende Verelendung der Arbeiterschaft und seine Katastrophenthese nicht bewahrheitet, vielmehr seien gegenläufige Tendenzen bemerkbar. Die Sozialdemokratie dürfe also nicht mit dem naturnotwendigen Zusammenbruch des Kapitalismus rechnen. Sie müsse deshalb ihre radikal-revolutionären Dogmen revidieren und sich auch in ihrer theoretischen Zielsetzung zu dem bekennen, "was sie heute in Wirklichkeit ist: eine demokratisch-sozialistische Reformpartei".
Letztlich geht es um das Problem "Reform oder Revolution". Auch die Gegner E. Bernsteins sind Reformisten. Als Schwerpunkt der Kontroverse erweist sich vielmehr die Vorstellung von der gesetzmäßigen Entwicklung zum Sozialismus über das notwendige Durchgangsstadium einer sozialen Revolution. Für E. Bernstein verbindet sich mit der Vorstellung der Revolution das Element der direkten Aktion und der Gewaltanwendung. In diesem Sinne wird "Revolution" in der Partei jedoch kaum mehr gebraucht. Die SPD handelt vielmehr nach K. Kautskys Wort, daß "die Sozialdemokratie eine revolutionäre, aber keine revolutionmachende Partei" sei, d.h., daß sie die radikale Umgestaltung der Wirtschaftstrukturen durchsetzen will.
Die Thesen E. Bernsteins führen zu langen heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung.