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Voraussetzungen für die Positionierung im Weltmarkt: vergleichende Indikatoren

Um im internationalen Wettbewerb gut zu verdienen, muß man

  1. die angebotenen Produkte mit besonders geringem Aufwand an Arbeitskraft und Kapitalverbrauch (also mit hoher Produktivität) herstellen;

  2. Produkte anbieten, die nur von wenigen in dieser Art und Qualität hergestellt werden und die deshalb einen hohen Preis erzielen (sozusagen eine Qualitäts- oder Innovativitätsrente abwerfen);

  3. Produktivität und Innovativität vor allem in solchen Märkten entfalten, die ein hohes Nachfragepotential haben.

Um die Produktivität der Arbeit über die gesamte Wirtschaft (also nicht nur z.B. bei der Herstellung von Autos) international zu vergleichen, müßte man die Produktionsleistung, die sich ja nur in Währungseinheiten messen läßt, mit viel Aufwand und letztlich doch nur dubiosem Resultat vergleichbar machen. Der gängige Indikator ist deshalb die Entwicklung der Produktivität von einem Basisjahr aus. Betrachtet man die Produktionsleistung pro Arbeitsstunde, ergibt sich folgendes Bild:

Das Schaubild zeigt an, daß sich die Chance der deutschen Arbeitskräfte, im Weltmarkt vergleichsweise hohe Einkommen zu verdienen, in den letzten Jahren beträchtlich verringert hat.

Durchschnittsproduktivitäten spiegeln eine Reihe von Faktoren wider, die mit Wettbewerbsfähigkeit wenig zu tun haben. Z.B. drückt ein (beschäftigungspolitisch evtl. wünschenswerter) hoher Anteil gering bezahlter Dienstleistungen am Bruttosozialprodukt die statistisch ausgewiesene Durchschnittsproduktivität. Um zu sehen, wo Deutschland produktivitätsmäßig wirklich steht, ist ein Vergleich auf Branchenebene aufschlußreich.

Die Aussage des Schaubilds ist eindeutig: Die Deutschen produzieren in vielen Bereichen vergleichsweise ineffizient.

Innovativitätsprämien lassen sich vorzugsweise mit sogenannten Hochtechnologie-Produkten verdienen, also solchen, die einen vergleichsweise hohen Aufwand für Forschung und Entwicklung (FuE) erfordern: Luft- und Raumfahrt, Computer, Elektronik, Pharmazeutik, Meß- und Regeltechnik und elektrische Maschinen.

Man sieht: Unter den führenden Industrienationen ist Deutschland diejenige, die eindeutig kein High-tech-In-dustrieprofil hat. Der deutsche Anteil an den Weltexporten ist hier rückläufig. Die deutsche Stärke liegt bei Produkten mit einem mittleren FuE-Aufwand. Dazu gehören Kraftfahrzeuge, Chemie, nichtelektrische Maschinen sowie Gummi und Plastik und NE-Metalle. Aber auch bei Produkten mit niedrigem FuE-Aufwand nimmt der deutsche Anteil an den Weltexporten zu. Dazu gehören einfache Haushaltsprodukte, Textil und Bekleidung, Nahrungs- und Genußmittel, Papier, Holzprodukte und Möbel sowie Raffinerieprodukte, Eisenmetalle und Schiffe.

Auch scheint Deutschland einen beträchtlichen Teil seiner Innovationsenergie auf wenig lohnende Felder zu „verschwenden". So entfallen in Deutschland weit mehr Patente auf schrumpfende Technologiefelder als dies in den USA und Japan der Fall ist.

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Andererseits hängt die wirtschaftliche Zukunft des Standort D nicht ausschließlich an der Hochtechnologie. Auch in Industrien mit mittlerem und niedrigem FuE-Aufwand gibt es Segmente mit qualitativ hochwertigen Produkten bzw. technologisch anspruchsvollen Produktionsprozessen, nicht zuletzt im Hinblick auf steigende Umweltanforderungen (z.B. die Papierindustrie). Außerdem haben High-tech-Produkte kein Monopol auf hohe Wachstumsraten im Welthandel. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre, als der Welthandel insgesamt stark zunahm, wiesen auch viele „traditionelle" Produkte hohe Wachstumsraten auf.

Damit ein Land, das dermaßen in die internationale Arbeitsteilung eingebunden ist wie Deutschland, hohe Einkommenszuwächse erzielt, muß es auf den schnell wachsenden Märkten präsent sein. Deutschlands Exportstärke liegt jedoch überwiegend auf dem relativ stagnierenden europäischem Markt. Von den japanischen und amerikanischen Exporten hingegen geht ein großer Teil in die rasch wachsenden asiatischen Märkte.


© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | Juli 1999

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