FES HOME MAIL SEARCH HELP NEW
[DIGITALE BIBLIOTHEK DER FES]
TITELINFO / UEBERSICHT



TEILDOKUMENT:




Tremmel, Peter (1876-1941)

Geboren am 15. Oktober 1876 in Mannheim als ältestes Kind einer fünfzehnköpfigen Arbeiterfamilie, katholisch, verheiratet. Der Vater war Vorarbeiter in einer Holzhandlung und Mitbegründer des katholischen Arbeitervereins in Mannheim. Nach dem Besuch der Volksschule Schlosserlehre von 1889 bis 1892. Abbruch des Lehrverhältnisses wegen Schikanen des Meisters, Beendigung der Schlosserlehre in einer Maschinenfabrik. Maßregelung durch den Fabrikanten, danach Hilfsarbeiter in einem Bretterlager. Mit 18 Jahren Eintritt in den katholischen Arbeiterverein Mannheim, intensive Weiterbildung innerhalb der katholischen Arbeiterbewegung. Von 1895 bis 1897 Militärdienst im badischen Inf.-Reg. 111 in Rastatt. Aus Rücksicht auf seine Geschwister verzichtete Peter Tremmel auf eine geplante Wanderschaft. Nach der Militärentlassung wechselnde Arbeitsstellen als Transport- und Hilfsarbeiter, da er bei den örtlichen Metallarbeitgebern auf der "schwarzen Liste" stand. Um 1898 Mitglied im Verein "Arbeiterschutz", Fachsektion der Fabrik- und Handarbeiter.

Wahl zum 1. Vorsitzenden der Ortsgruppe Mannheim des "Christlich-sozialen Verbandes der nichtgewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands" am 2. März 1902. Im 2. Quartal übernahm Tremmel auf Anraten des Verbandsgründers Johann Braun ehrenamtlich die Funktion eines "Agitationsleiters" für Süddeutschland mit der Region Baden, Pfalz, Württemberg und angrenzenden Teilen von Hessen (1905: 27 Zahlstellen mit 881 Mitgliedern; Verbandsname ab 1904: "Zentralverband der Hilfs- und Transportarbeiter, - arbeiterinnen und verschiedener Berufe Deutschlands"). Hauptamtliche Anstellung als Bezirksleiter auf dem 3. Verbandstag 1906 in Mainz; seit Ende der neunziger Jahre Engagement in der Deutschen Zentrumspartei, daraus resultierte eine enge persönliche Freundschaft zum Verbandsvorsitzenden Heinrich Oswald. Nach der Organisationsreform des 4. Verbandstages 1908 in Aschaffenburg auf die neu geschaffene Stelle eines 2. Verbandsvorsitzenden gewählt. (Seit 1908: "Zentralverband der Staats-, Gemeinde-, Verkehrs-, Hilfs- und sonstiger Industriearbeiter Deutschlands".) Zu den neuen Aufgabengebieten Tremmels gehörte die Koordinierung der Lohnbewegung des Verbandes. Umzug an den neuen Verbandssitz Aschaffenburg. Wiederwahl zum 2. Vorsitzenden auf dem 5. Verbandstag 1910 in München. Nach dem Rücktritt Heinrich Oswalds Wahl zum Vorsitzenden auf dem 6. Verbandstag 1912 in Hannover, der gleichzeitig die Umbenennung in "Zentralverband christlicher Fabrik- und Transportarbeiter Deutschlands" beschloß und die Abspaltung dreier selbständiger christlicher Verbände (Militärarbeiter, Wald- und Weinbergarbeiter, sowie Gemeindearbeiter und Straßenbahner) sanktionierte. Tremmel konsolidierte den nun sehr homogenen Verband, der vor 1912 durch heftige innergewerkschaftliche Krisen geschüttelt war.

Wiederwahl Tremmels auf allen nachfolgenden Verbandstagen bis zum Ende der Weimarer Republik (1914 Mannheim, 1919 Aschaffenburg, 1922 Köln, 1925 München, 1928 Dortmund). Vom 18. August 1914 bis 25. September 1917 Kriegsdienst. Während des Krieges sank die Mitgliederzahl von 10.000 (1914) auf 3.300 (1916). Tremmel hatte maßgeblichen Anteil bei der Verschmelzung seiner Organisation mit dem "Zentralverbandes christlicher Keram- und Steinarbeiter Deutschlands" auf dem Aschaffenburger Verbandstag 1919. Im Januar 1920 siedelte Tremmel mit dem Verband nach Berlin über. Januar 1919 Wahl in die Nationalversammlung als Abgeordneter der Deutschen Zentrumspartei im Regierungsbezirk Ober-, Mittel- und Unterfranken. Wiederwahl in den Deutschen Reichstag von Juni 1920 bis November 1933 im Wahlkreis Koblenz-Trier. Im Reichstag bearbeitete er Fragen des Wohnungs- und Siedlungswesens im Wohnungsausschuß (13. Reichstagsausschuß) als besonderes Spezialgebiet. Nahm zu allen wichtigen Fragen der Novellierung des Reichsmietengesetzes, des Wohnungsbauförderungsgesetzes und des Mieterschutzgesetzes Stellung. Intensive parlamentarische Mitarbeit bei Initiativen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes. Einer der Sprecher des "linken Flügels" seiner Partei im Parlament, wobei die progammatische Nähe zur Sozialdemokratie auffällig war. Delegierter auf dem 8. bis 13. Kongreß des "Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" (1912 Dresden, 1912 Essen, 1920 Essen, 1926 Dortmund, 1929 Frankfurt am Main, 1932 Düsseldorf). Jeweils Wahl in den Verbandsausschuß auf diesen Kongressen. 1920 in das "Parlamentarische Aktionskomitee" des Gesamtverbandes gewählt; Wahl in den Hauptvorstand auf dem 13. Kongreß in Düsseldorf 1932.

Tremmel machte sich innerhalb der christlichen Gewerkschaftsbewegung vor allem für eine Konzentration der Verbände stark, stand in vielen gewerkschaftspoltischen Fragen der freigewerkschaftlichen Konkurrenz nahe. Starke Betonung der "Geistesmacht des Christentums" im Emanzipationskampf der christlich-nationalen Arbeiterschaft. ("Christus hat die Ausbeutung schärfer gegeißelt, als je ein anderer nach ihm.") Wahl zum Vorsitzenden des "Internationalen Verbandes christlicher Fabrik-, Transport-, Nahrungsmittelorganisationen" auf dem Gründungskongreß am 13. und 14. Oktober 1920 in Köln, Bestätigung in dieses Amt am 3. und 4. September 1925 in München und dem 3. Kongreß vom 25. bis 26. September 1929 in Straßburg. Referat in Straßburg über "Rationalisierung", betonte den Zwang zur internationalen Kooperation wegen der internationalen Konzernbildung. Mit 68.000 Mitgliedern (1931) repräsentierte Tremmel als Vorsitzender des Zentralverbandes mit weitem Abstand die größte Einzelorganisation. Gewerkschaftliches Bildungswesen, die Jugendbewegung im Verbande, Arbeiterinnenbewegung, Arbeiterschutz und Arbeitsbeschaffung waren in der Schlußphase der Weimarer Republik seine großen gewerkschaftlichen Themen. 1933 Entlassung aus allen Ämtern. Tremmel verdiente ab 1934 seinen Lebensunterhalt mit zwei Zigarrengeschäften in Berlin. Verbindungen zum Widerstandskreis um Jakob Kaiser. Tremmel starb am 13. Januar 1941 in Berlin-Steglitz.


© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | September 1998

Previous Page TOC Next Page