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TITEL/INHALT

Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999

Stichtag:
Ende 1909

In seinem Jahresbericht schreibt der Vorstand des Metallarbeiterverbandes: "So unentbehrlich auch die Unterstützungseinrichtungen in den Gewerkschaften und speziell in unserem Verband sind, so dürfen sie doch nicht die anderen Aufgaben der Organisation überwuchern und durch ein ungesundes Verhältnis ihres finanziellen Bedarfs zu den übrigen Aufwendungen lähmend auf die Haupttätigkeit der gewerkschaftlichen Organisation, die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen einwirken. Die Unterstützungseinrichtungen sind nicht der Hauptzweck des Verbandes, sondern Mittel zum Zweck. Sie sollten daher dauernd Überschüsse abwerfen, um aus ihnen den Kampffonds des Verbandes zu speisen."
Der Metallarbeiterverband gab 1909 rund 77% seiner Einnahmen für Unterstützungen, davon rund 8% für Streikunterstützungen aus.

Die größeren Angestelltenverbände haben noch zahlreiche "selbständige" Mitglieder. Im "Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband" sind unter 108.745 Mitgliedern noch 5.545 Selbständige, im "Verband deutscher Handlungsgehilfen" unter 89.158 Mitgliedern noch 6.560, im "Verein für Handlungscommis von 1858" unter 95.615 noch 11.706 und im "Deutschen Technikerverband" unter 27.359 Mitgliedern 2.736 Selbständige.
Die relativ niedrigen Mitgliederzahlen der "reinen" Angestelltenverbände - der "Bund der technisch-industriellen Beamten" zählt erst 15.034 und der "Zentralverband der Handlungsgehilfen" nur 9.870 Mitglieder - zeigen das geringe Interesse der Angestelltenschaft jener Jahre an Organisationen, die in ihren Satzungen unter bewußter Vernachlässigung berufsständischer Interessen auf die mit der Arbeiterschaft gemeinsame Arbeitnehmerstellung der Angestellten hinweist und eine "Zusammenarbeit" mit den Prinzipalen konsequent ablehnt.
Der größte Teil der Berufsverbände kaufmännischer und technischer Angestellter lehnt jede gewerkschaftliche Betätigung, insbesondere den Arbeitskampf, ab. Man will nur Fachverband sein, der Geselligkeit oder Bildungszwecken dienen, sich der Stellenvermittlung widmen oder als Unterstützungsverein tätig sein. Hinzu kam die fortwährende Schwächung der Angestelltenorganisationen durch den Einfluß der Prinzipale.

Der Generalkommission sind 57 Gewerkschaften angeschlossen, die zusammen 1.892.570 Mitglieder, davon 139.120 weibliche (= 7,3%), haben.
Die meisten Mitglieder haben die Verbände der Metallarbeiter mit 373.350, die der Maurer mit 170.870, die der Holzarbeiter 151.830, die der Fabrikarbeiter mit 141.020 und die der Bergarbeiter mit 120.280.
Die kleinsten Verbände sind die der Schirmmacher mit 310, die der Notenstecher mit 420, die der Xylographen mit 490, die der Blumenarbeiter mit 560 und die der Asphalteure mit 840 Mitgliedern.
Die meisten weiblichen Mitglieder hat der Textilarbeiterverband mit 35.360 von insgesamt 104.300.
Die Gewerkschaften geben von ihren Einnahmen je rund 17% für die Kranken- und Arbeitslosenunterstützung, rund 14% für die Streikunterstützung und rund 4% für ihre Zeitungen aus.

Dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften sind 22 Gewerkschaften mit zusammen 280.060 Mitgliedern, davon 20.180 weiblichen, angeschlossen.
Die größten Verbände sind die der Bergarbeiter mit 81.730, die der Bauarbeiter mit 35.470 und die der Textilarbeiter mit 30.450 Mitgliedern.
Die kleinsten Verbände sind die der Kellner mit 1.220, die der Nahrungsmittelindustrie mit 1.300 und die der Krankenpfleger mit 1.370 Mitgliedern.
Von den Ausgaben der christlichen Gewerkschaften entfallen rund 17% auf die Krankenunterstützung, 13% auf die Streikunterstützung und 10% auf die Verbandszeitschriften.
Dem Generalrat der Gewerkvereine sind 22 Gewerkvereine angeschlossen, die zusammen 108.000 Mitglieder haben.
Die größten Gewerkvereine sind der der Maschinenbau- und Metallarbeiter mit 37.650, der der Kaufleute mit 18.300 und der der Fabrik- und Handarbeiter mit 15.600 Mitgliedern.
Die kleinsten Gewerkvereine sind die der Reepschläger mit 42, die der Wäger und Maschinisten mit 57 und der der Konditoren mit 112 Mitgliedern.
Die Gewerkvereine geben rund 30% ihrer Einnahmen für die Krankenunterstützung, rund 12% für die Arbeitslosenunterstützung und rund 6% für die Streikunterstützung aus.

Die Generalkommission registriert 1909 6.796 Lohnbewegungen, an denen 480.200 Personen beteiligt waren.
66,3% verlaufen ohne Arbeitseinstellungen. Es kam zu 832 Angriffs- und 1.007 Abwehrstreiks und 206 Aussperrungen. Von den Angriffsstreiks waren 54,6% erfolgreich, 20,8% teilweise erfolgreich, von den Abwehrstreiks 58,9% erfolgreich, 12,2% teilweise erfolgreich, von den Aussperrungen 41,3% erfolgreich.


© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | Februar 2000

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