Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
Der Verbandstag des Kürschnerverbandes in Nürnberg empfiehlt Tarifverträge - längstens auf drei Jahre - als nützlich für die Gewerkschaften und erklärt sich für obligatorische paritätische Arbeitsnachweise. Die neu einzuführende Arbeitslosenversicherung wird mit der bestehenden Krankenunterstützung zu einer Erwerbslosenunterstützung verbunden.
Stichtag:
19./21. April 1909
"In Erwägung, daß der Akkordarbeit die Triebfeder innewohnt, den Arbeiter zur intensivsten Anspannung der physischen Kräfte aufzustacheln, wodurch er nicht nur den Lohn drückt, sondern hauptsächlich unter den Kollegen Haß und Neid erzeugt, und so die Solidarität statt zu fördern, zerstört wird; anderseits der Arbeitgeber stets einen Gradmesser besitzt, den Lohn zu kürzen, beschließt der 3. Verbandstag, daß bei allen Lohnbewegungen in der Pelz- und Mützenbranche möglichst auf Abschaffung der Akkordarbeit zu dringen ist.
Die hausindustrielle Produktion ... stellt eine Betriebsform dar, die es dem Unternehmertum ermöglicht, sämtliche Unkosten der Produktion, als: Miete, Werkzeuge, Beleuchtung, Reinigung, Steuern, sowie die Aufwendungen aus der Sozialgesetzgebung, von sich auf den Hausindustriellen, und von diesen auf die Arbeiter und namentlich Arbeiterinnen abzuwälzen.
Als weitere Folge dieser Betriebsform tritt die Isolierung, und damit die vollständige Abhängigkeit des einzelnen Hausindustriellen hinzu, wodurch derselbe dem Unternehmer gegenüber als willenloses Ausbeutungsobjekt ausgeliefert ist. ...
Deshalb erkennt der 3. Verbandstag zu Nürnberg an, daß das System der Hausindustrie und Heimarbeit für die Arbeiter höchst schädigend und nachteilig wirkt und prinzipiell zu bekämpfen ist."