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TITEL/INHALT

Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999

Stichtag:
18./21. September 1898

Der internationale Glasarbeiter-Kongreß in Berlin beschließt: "In Erwägung, daß unter dem System der Akkordarbeit, welches gegenwärtig in der Glasindustrie aller Länder vorherrschend ist, der Lohn sinkt und die Arbeitsleistung erhöht wird;
In weiterer Erwägung, daß in den meisten Betrieben der Glasindustrie das System eingeführt ist, daß den sogenannten Glasmeistern, Schleifmeister etc. die Bezahlung der ihnen zugetheilten Gehülfen, Lehrlinge und sonstigen Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen auferlegt ist;
In fernerer Erwägung, daß diese Art der Lohnzahlung eine schrankenlose Ausbeutung ihrer Arbeitskräfte, namentlich der jüngeren Arbeiter durch ihre älteren Arbeitsgenossen, zur Folge hat, was den sittlichen Grundsätzen und materiellen Interessen der Arbeiter Hohn spricht, und endlich, daß dieses System den Unternehmern die Möglichkeit giebt, jeden Augenblick den Lohn herabzudrücken, fordert der Kongreß:
Es soll in allen Betrieben der Glasindustrie ein Lohnminimum festgesetzt, die Akkordarbeit abgeschafft und die Entlohnung der Gehülfen und Lehrlinge von den Unternehmungen in eigene Regie genommen werden.[...]
Die tägliche Arbeitszeit soll in allen Betrieben acht Stunden, d.h. im Maximum, inkl. Ruhepausen, 48 Stunden die Woche betragen.
Es ist dafür zu sorgen, daß die Arbeiter ohne Unterschied der Arbeitskategorie in der Woche einen Ruhetag genießen. Der Kongreß fordert daher die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe in der Dauer von mindestens 36 Stunden.
Die Nachtarbeit und Überstundenarbeit sollen beseitigt werden. So lange dies die Art des Betriebes noch nicht zuläßt, sind Nachtarbeit und Überstunden unbedingt auf das mindest nachweisbar erforderliche Maß zu reduziren. [...]
Es ist in allen Ländern darauf Einfluß zu nehmen, daß alle Bestrebungen zur Beseitigung des Schutzzolles seitens der organisirten Glasarbeiter mit allen wirthschaftlichen und politischen Kampfmitteln gefördert und unterstützt werden."



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