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Frankenberg, Johannes (1873 - 1958)

Geboren am 26. November 1873 in Dingelstädt auf dem Eichsfeld als Sohn eines Webermeisters, verheiratet, katholisch. Erlernte nach der Volksschule den Beruf eines Webers und besuchte in seiner Heimatgemeinde die örtliche Webschule. Mußte infolge der Wirtschaftskrise seinen erlernten Beruf verlassen und arbeitete in der Ziegelei-, Zucker- und Gummiindustrie. Von [1894] bis 1895 in Bernburg in einem Kaufmannsgeschäft tätig. Siedelte 1895 nach Hannover über. Frankenberg fand in seiner neuen Heimat wieder Anstellung in der Textilindustrie und war als Weber, Scherer, Expedient und Hilfsobermeister tätig. Seit 1895 Mitglied der Deutschen Zentrumspartei. Private Weiterbildung auf Abendschulen in den Fächern Volkswirtschaft, Arbeitsrecht und Sozialpolitik. Betätigte sich früh in der katholischen Arbeitervereinsbewegung. Seit 1. August 1900 Gründungsmitglied der Ortsgruppe für Fabrik- und Hilfsarbeiter des Vereins "Arbeiterschutz" in Hannover-Linden. Stellte sich im Konflikt innerhalb des christlichen Gewerkschaftslagers auf die Seite der Anhänger christlicher interkonfessioneller Gewerkschaften. 1902 trat Frankenberg mit 100 Hannoveraner Kolleginnen und Kollegen in den am 8. September 1900 in München gegründeten "Christlich-sozialen Verband der nichtgewerblichen Arbeiter und Arbeiterinnen" über, obgleich der Reichstagsabgeordnete Johann Giesberts Frankenberg zunächst nahegelegt hatte, einen eigenen christlichen Fabrikarbeiterverband zu gründen.

Fungierte als Schriftführer, ab 1904 als Vorsitzender der Zahlstelle Hannover des im gleichen Jahr umbenannten "Zentralverbandes der Hilfs- und Transportarbeiter, -Arbeiterinnen und verschiedener Berufe Deutschlands". In dieser Zeit ging Frankenberg als ehrenamtlicher Funktionär für den Verband auf Agitationstouren nach Oldenburg und Westfalen. Nach zweimonatigem Fortbildungskurs in München-Gladbach übernahm der gelernte Weber ab 1. Mai 1905 als hauptamtlicher Verbandsangestellter den Verbandsbezirks Hannover mit der Provinz Hannover und den angrenzenden Landesteilen. (Mitgliederstand am 1. Mai 1907: 22 Ortsgruppen mit 1321 Mitgliedern.) Erstmals Delegierter auf dem 2. Verbandstag 1904 in Koblenz, danach Teilnehmer an allen Verbandstagen des "Zentralverbandes der Staats-, Gemeinde-, Verkehrs-, Hilfs- und sonstiger Industriearbeiter Deutschlands" (Verbandsname ab 1908) und des "Zentralverbandes christlicher Fabrik- und Transportarbeiter" (Verbandsname ab 1912) bis zum Ende der Weimarer Republik. Ab 1. Oktober 1908 trat Frankenberg die Nachfolge von Peter Tremmel als Bezirksleiter in Mannheim an, der in diesem Jahr die Verbandsführung übernahm. Vom 1. Oktober 1911 bis zum 1. Juli 1912 als Zentrumsabgeordneter in die Mannheimer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Der Norddeutsche, der im Badischen sichtlich Akklimatisierungsschwierigkeiten hatte, bewarb sich erfolgreich zum 1. Juli 1912 auf den neu geschaffenen Posten eines Schriftleiters des Verbandsorgans "Gewerkschaftsstimme", was seine Versetzung an den Verbandssitz nach Aschaffenburg notwendig machte. Frankenberg verstand es, das Blatt technisch und redaktionell zu einem der bestgeleitetsten Verbandsorgane der christlichen Gewerkschaftsbewegung zu machen.

Auf der 5. Verbandstagung 1910 in den Vorstand gewählt, wurde Frankenberg als Redakteur bis 1922 auf allen Verbandstagen bestätigt. Mit seinen identitätsstiftenden Festprologen auf den Verbandstagungen erzielte der Autodidakt beträchtliche Wirkung. Während des Weltkrieges führte Frankenberg von August 1914 bis September 1917 die Organisation, nachdem der Vorsitzende Peter Tremmel zum Militärdienst eingezogen wurde (Tiefstand der Mitgliederzahlen 1916: 330). Delegierter auf dem 6. Kongreß (1906), 8. Kongreß (1912), 10. Kongreß (1920) und 12. Kongreß (1929) des "Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands". 1919 bis 1920 Volksrichter am Volksgericht Aschaffenburg. Vom 1. Juli 1919 bis zum 1. Oktober 1921 Mitglied des Stadtrates. Verfehlte auf Platz 4 der Liste der "Bayerischen Volkspartei" knapp einen Platz für den Einzug in den Kreistag, rückte nach dem Rücktritt des Würzburger Oberbürgermeisters in den Unterfränkischen Kreistag nach. Frankenberg gehörte dem am 6. Juni 1920 gewählten und am 15. Juli 1920 zu seiner ersten Sitzung zusammengetretenen Landtag an und legte sein Mandat am 1. Oktober 1921 wegen der Verlegung des Wohnsitzes nach Berlin nieder. Nach dem Zusammenschluß des "Zentralverbandes christlicher Fabrik- und Transportarbeiter Deutschlands" mit dem Zentralverband christlicher Keram- und Steinarbeiter Deutschlands" zum 1. Januar 1920 kam es innerhalb des neuen Verbandes zu schwierigen Kompetenzabstimmungen.

Frankenberg verzichtete im September 1924 auf den Redakteursposten und trat als Staatsrevisor in das Ministerium für Volkswohlfahrt in Preußen ein. Kehrte 1925 als hauptamtlicher Angestellter zu seiner alten Gewerkschaft zurück und übernahm die Fachabteilung des "Berufsverbandes deutscher Nahrungsmittel- und Getränkeindustriearbeiter". Innerhalb des Verbandes kümmerte er sich um die Betriebsräteschulung. Maß den Betriebsräten eine besondere Bedeutung bei der Verwirklichung des "christlichen Kulturgedankens" bei. Gleichzeitig war er für die Betriebsräteschulung verantwortlich. Wiederwahl in den Verbandsvorstand auf der 10. Verbandstagung 1925 in München und der 11. Verbandstagung 1928 in Dortmund. Frankenberg hatte für seine Gewerkschaft zahlreiche hohe Ehrenämter inne: Schöffe und Arbeitsrichter in Berlin, Mitglied des Verwaltungsrats für Arbeitslosenvermittlung und Unterstützung, Mitglied der Zentralschlichtungsausschüsse der Branchen Chemie, Papier, Zucker und Konservenindustrie. Am 1. August 1933 von den Nationalsozialisten entlassen. Blieb nach einem Schlaganfall Invalide; bekam die ihm zustehende Pension verweigert. Hielt zu seinen alten Gesinnungsgenossen in Berlin Kontakt, Angehöriger des Widerstandskreises um Jakob Kaiser. Nach dem Kriege Mitglied der CDU. Baute in Berlin den "Verband der Fabrikarbeiter" auf.

Seit 1. Oktober 1945 Sekretär und Vorstandsmitglied der Organisation in Berlin. Fungierte seit [Herbst] 1946 als 2. Vorsitzender des "Verbandes der Fabrikarbeiter" (hinter Hans Rabe). Wiederwahl als 2. Vorsitzender auf dem 2. Verbandstag 1948. Schied im März 1950 aus dem Vorstand des Fabrikarbeiterverbandes aus. Obgleich Frankenberg im Westteil der Stadt wohnte, hielt er am FDGB fest und gab [1950] seine Wohnung in Kreuzberg auf und siedelte nach Friedrichshain über. Ferner beteiligte sich der christliche Gewerkschafter am Aufbau der ostdeutschen Chemiegewerkschaft: ab 1946 2. Vorsitzender der "Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Steine und Erden" Groß-Berlins. Am 16. Juli 1947 auf der Zonenkonferenz in Halle in den erweiterten Vorstand der Industriegewerkschaft gewählt. Schied aus Altersgründen im Juli 1950 aus dem Vorstand aus. Führendes Mitglied beim Aufbau des FDGB Groß-Berlins. Im März 1947 in den erweiterten Vorstand des Berliner FDGB gewählt. Der Berliner FDGB-Vorstand übertrug ihm wichtige Funktionen: bei den Gewerkschaftswahlen 1948 und 1950 präsidierte er als Vorsitzender dem zentralen Wahlausschuß. Aufsichtsratsmitglied der ostdeutschen "Volksfürsorge". Schied im Oktober 1950 aus allen Ämtern aus. Aus der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" 1950 wegen "falscher Angaben" ausgeschlossen. Der Status "Opfer des Faschismus" wurde ihm aberkannt. Erhielt vom FDGB eine kleine Personalpension. Johannes Frankenberg starb am 9. Juni 1958 in Berlin.


© Friedrich Ebert Stiftung | technical support | net edition fes-library | September 1998

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