Begabungsförderung und Schulleistungsentwicklung (Teile I - III). ( Teil III: Bildungspolitische Erfordernisse zur Qualitätssicherung im Schulwesen).

  • Unterrichtliche und schulische Differenzierungsmaßnahmen sollen allen Schülern bzw. Schülergruppen - wenn auch auf unterschiedliche Weise - nützen. Da herkömmlicher Unterricht meist auf den breiten Durchschnitt einer Lerngruppe fokussiert ist, besteht die Gefahr, dass besonders befähigte bzw. leistungsstarke vs. leistungsschwächere - oder im Inklusionsmodell auch behinderte - Schüler in heterogenen Lerngruppen vernachlässigt bzw. nicht individuell adäquat gefördert werden. Offensichtlich fällt es gegenwärtig vielen Menschen schwer, die Verschiedenheit der Lernvoraussetzungen bei Schülern zu akzeptieren und darauf abgestimmte schulpädagogische Maßnahmen unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zu tolerieren. Ungleichheit bedeutet aber nicht automatisch Ungerechtigkeit. Bildungsgerechtigkeit lässt sich nach allen vorliegenden Erfahrungen am ehesten durch eine optimale Passung individueller Lernvoraussetzungen und schulischer Lernumwelten herstellen. Diese Aussage ist eine wissenschaftlich belegbare Feststellung, die durch permanentes Leugnen der Tatsachen oder durch medienwirksame Gleichmachereiparolen bzw. bildungspolitische Wunschvorstellungen genauso wenig ihre Gültigkeit einbüßt wie das Einmaleins in der Mathematik oder die Syllogistik in der Philosophie durch deren fehlerhafte Handhabung. Auch die -jahrzehntelang in regelmäßigen Abständen reklamierten und aktuell wiederentdeckten" - Erwartungen an das längere gemeinsame Lernen" haben sich immer wieder - bis in die jüngsten Untersuchungen hinein - als Fata Morgana erwiesen. Zwar stirbt die Hoffnung bekanntlich zuletzt. Doch wer kann es verantworten, die Lebenschancen der heutigen Jugend wider besseres Wissen weiterhin unrealistischen Wunschvorstellungen bzw. weltfremden Ideologien sinnlos zu opfern? Skepsis ist auch gegenüber der jüngsten Euphorie bezüglich der Inklusionspädagogik angebracht, zumal wenn diese mit dem Anspruch einer optimalen Begabungs- und Leistungsförderung aller propagiert wird. Doch dies wäre ein weiteres Kapitel, das bereits Holzapfel (2011) in dieser Zeitschrift kompetent und facettenreich behandelt hat.

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Metadaten
Author:K. A. Heller
Parent Title (German):Katholische Bildung (FRG 096);
Document Type:Other
Language:German
Year of first Publication:2012
Release Date:2016/02/18
Tag:Als PDF, als e-paper und/oder als abstract vorhanden; Bildung; Bildungschancen; Bildungsniveau; Bildungspolitik; Bildungssystem; Schule
Issue:07-08
First Page:302
Last Page:310
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