Liberalisierung und Privatisierung in Deutschland: Versuch einer Zwischenbilanz.

  • Der relativ umfassende öffentliche Sektor, der das "Modell Deutschland" in den Nachkriegsjahrzehnten gekennzeichnet hatte, wird seit den 1990er Jahren im Zuge einer beschleunigten Liberalisierung und Privatisierung grundlegend reorganisiert. Nachdem die Entstaatlichungspläne der konservativ-liberalen Koalition noch in den 1980er Jahren auf beträchtlichen Widerstand stießen, wurde der Übergang vom Leistungs- zum Gewährleistungsstaat durch mehrere Faktoren systematisch begünstigt: erstens durch die verschärfte Finanzkrise der öffentlichen Haushalte in der Folge der deutschen Einheit; zweitens durch die Liberalisierungsvorgaben des EG-Binnenmarktes; und drittens durch die Finanzmarktdynamik seit Mitte der 1990er Jahre. Im politischen Diskurs war dementsprechend eine Perspektive deutungsmächtig geworden, die in der Privatisierung öffentlicher Unternehmen ein geeignetes Mittel sah, um infrastrukturpolitische Investitionslücken durch die Mobilisierung von privatem Kapital zu schließen. In vielen Bereichen sorgen verschlechterte Beschäftigungsbedingungen, steigende Preise und Servicedefizite inzwischen aber dafür, dass die Privatisierung zunehmend kritisch betrachtet wird.
  • From the 1990s onwards, the relatively comprehensive public sector which had marked the ′German model′ of the post-war decades was fundamentally reorganised in the course of accelerated liberalisation and privatisation. After the conservative-liberal plans for de-nationalisation were still encountering resistance in the 1980s, the transition from a provider state towards a supervisor state was facilitated by several factors: first, by the aggravated financial crisis of public budgets as a result of German unification, second, by the liberalisation requirements of the European single market and third, by financial market dynamics from the mid 1990s onwards. Consequently, in the political discourse a perspective has become predominant which regards privatisation of public enterprises as a means towards mobilising private capital in order to close infrastructural investment gaps. More recently, however, privatisation has been seen more critically again due to deteriorating employment conditions, increasing prices and service deficits.

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Metadaten
Author:H.-J. Bieling
Parent Title (German):WSI-Mitteilungen (FRG 104);
Document Type:Other
Language:German
Year of first Publication:2008
Release Date:2016/02/18
Tag:Als PDF, als e-paper und/oder als abstract vorhanden; Deregulierung; Eisenbahn; Energieversorgung; Freisetzung von Arbeitskräften; Globalisierung der Wirtschaft; Infrastruktur; Investitionsbedarf; Liberalisierung des Internationalen Handels; Modernisierung; Postdienst; Privatisierung; Soziale Partizipation; Staatlicher Sektor; Staatliches Unternehmen; Staatshaushalt; Telekommunikation; Verkauf; Wettbewerb; Wirtschaftliche Implikation; Wirtschaftspolitik
Issue:10
First Page:541
Last Page:547
DEGPOL (European trade union policy):

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