Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
Der SPD-Parteitag in Mannheim bestätigt nach Referaten von A. Bebel und C. Legien mit 386 gegen 5 Stimmen den Beschluß von Jena und stellt fest, daß der Beschluß des Kölner Gewerkschaftskongresses dazu nicht in Widerspruch stehe. Sobald der Parteivorstand die Notwendigkeit eines politischen Massenstreiks für gegeben erachte, habe derselbe sich mit der Generalkommission in Verbindung zu setzen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich seien, um die Aktion erfolgreich durchzuführen. Die Gewerkschaften sind unumgänglich notwendig für die Hebung der Klassenlage der Arbeiter innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Dieselben stehen an Wichtigkeit hinter der sozialdemokratischen Partei nicht zurück. Die Generalversammlung des Centralvereins der Bildhauer in Frankfurt a. Main lehnt einen Übertritt zum Holzarbeiterverband ab, da dann die Steinbildhauer und Modelleure nicht übernommen werden. Tarifverträge werden befürwortet, vor allem in den Holz-Spezialbranchen.
Stichtag:
23./29. September 1906
Beide Organisationen seien in ihren Kämpfen auf gegenseitige Verständigung und auf Zusammenwirken angewiesen. Darum sollten sich die Leitungen beider Organisationen bei Aktionen, die die Interessen von Partei und Gewerkschaften gleichmäßig berühren, über ein einheitliches Vorgehen verständigen (Mannheimer Abkommen).
"Um aber jene Einheitlichkeit des Denkens und Handelns von Partei und Gewerkschaft zu sichern, die ein unentbehrliches Erfordernis für den siegreichen Fortgang des proletarischen Klassenkampfs bildet, ist es unbedingt notwendig, daß die gewerkschaftliche Bewegung von dem Geiste der Sozialdemokratie erfüllt werde. Es ist daher Pflicht eines jeden Parteigenossen, in diesem Sinne zu wirken." Dieser Zusatz von K. Kautsky und 32 Delegierten vorgeschlagen, wird angenommen.
Die weitere Ergänzung des Antrages, daß "die Sozialdemokratie die höchste und umfassendste Form des Klassenkampfes" sei, wird hingegen abgelehnt. In ihren weiteren Referaten erklärt A. Bebel es sei doch "undenkbar, einen Massenstreik durchzuführen, ohne daß in den breitesten Massen die Gesamtstimmung dafür vorhanden ist", und C. Legien bezeichnet es als Unsinn, sich auf eine Ablehnung des Massenstreiks festzulegen.
Der Parteivorstand wird beauftragt, eine Verständigung zwischen den Zentralverbänden und den "Lokalisten" herbeizuführen.
Die SPD fordert den Eintritt der Strafmündigkeit frühestens mit dem vollendeten 16. Lebensjahr, die Aufhebung der Ausnahmegesetze gegen Landarbeiter und Gesinde, die Abschaffung der Todesstrafe, die mildere Bestrafung der Eigentumsvergehen und die Einführung besonderer Jugendgerichte und Jugendstrafanstalten.
Die Zustimmung des Vorstandes zu Streiks ist davon abhängig, daß sich die Beteiligten mit mindestens zwei Drittel für einen Streik entscheiden. Über eine Unterstützung für gemaßregelte Mitglieder wegen einer Teilnahme an der Maifeier soll von Fall zu Fall entschieden werden.