Chronologie der deutschen Gewerkschaftsbewegung von den
Anfängen bis 1918 / Von Dieter Schuster. Mit einem Vorw. von Rüdiger
Zimmermann und Registern von Hubert Woltering. - Bonn : Bibliothek der
Friedrich-Ebert-Stiftung, 1999
Dem Reichstag wird ein Gesetzentwurf "Zum Schutz der gewerblichen Arbeitsverhältnisse" - die sogenannte "Zuchthausvorlage" - vorgelegt. Nach ihm sollen alle Versuche, bei Streiks Arbeitswillige an der Arbeit zu hindern, mit Gefängnis, in einigen Fällen sogar mit Zuchthaus bestraft werden, desgleichen alle Versuche, jemanden durch Drohung oder Zwang zur Teilnahme an Vereinigungen, die eine Einwirkung auf Arbeits- oder Lohnverhältnisse bezwecken, zu bestimmen.
Stichtag:
2. Juni 1899
Der Gesetzentwurf gibt das Signal zu einem Protestversammlungssturm, wie ihn Deutschland bis dahin noch nicht gesehen hatte. In Berlin finden schon am 7. Juni 1899 19 Versammlungen mit ca. 70.000 Teilnehmern statt und in Hamburg-Altona ebenfalls 19 Versammlungen mit 20.000 Teilnehmern. Der Reichstag berät vom 19. bis 22. Juni in erster Lesung über den Entwurf, wobei die Regierung von den Vertretern der Mehrheitsparteien scharfe Absagen erhält.