Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
FES: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
DIGITALE BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG
DEKORATION DIGITALE BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEKORATION


Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die gegenwärtig bekannten und beim heutigen Stand der Technik wirtschaftlich gewinnbaren Vorräte an Erdgas reichen beim derzeitigen Verbrauch etwa 65 Jahre. Dies eröffnet eine mittelfristige Perspektive für die verstärkte Nutzung dieses Primärenergieträgers und die Schaffung der notwendigen kapitalintensiven Infrastruktur. Beim heutigen Stand der Transporttechnolgie kann die EU ökonomisch sinnvoll auf einen Bezugsquellen-Bereich zurückgreifen, der von Westsibirien bis Nordafrika reicht. 1993 betrugen die Netto-Erdgasimporte der EU gut ein Drittel des Verbrauchs. Die wahrscheinliche Aufnahme Norwegens als eines der wichtigsten Lieferländer in die EU erhöht jedoch den Selbstversorgungsgrad der EU.

Sowohl von der Nachfrageseite als auch von der Angebotsseite her betrachtet ist es wahrscheinlich, daß Erdgas in der Zukunft einen deutlich höheren Stellenwert im EU-Energieverbrauch einnehmen wird. Dies wäre dann freilich auch mit einem Anstieg der Netto-Importquoten auf ca. 47% bis zum Jahr 2005 verbunden. Der am stärksten expandierende Bereich des Erdgasabsatzes liegt in der Stromerzeugung. Fast die gesamte Zunahme des Elektrizitätsverbrauchs in der EU könnte durch den Einsatz von Erdgas abgedeckt werden. Bedingung für die angeführten Zukunftsprojektionen ist, daß das Erdgas teurer wird. Dies ist sehr wahrscheinlich, wenn zweierlei eintritt: A. Die EU führt striktere Regelungen zur Kontrolle von Luftschadstoffen ein. Das Erdgas könnte dann seine ökologischen Vorteile gegenüber anderen fossilen Energieträgern in ökonomische Preisvorteile umwandeln. B. Dem weiteren Ausbau der Kernenergie ist mangels gesellschaftlicher Akzeptanz ein Riegel vorgeschoben.

Etwa die Hälfte der EU-Erdgasimporte wird in dem Zukunfts-Szenario aus den politischen instabilen Ländern Algerien und Rußland kommen. Aufgrund von Substitutionsmöglichkeiten und Vorratslagern wird die europäische Versorgungssicherheit jedoch nur geringfügig von etwaigen Lieferausfällen beeinträchtigt. Außerdem lassen politische Überlegungen die Wahrscheinlichkeit derartiger Lieferausfälle eher als klein erscheinen. Das Restrisiko läßt sich durch vorsorgende Investitionen in multivalente Kraftwerk-Brenner und strategische Öllager weitaus kostengünstiger absichern als durch künstliches Geringhalten der Importabhängigkeit.

Bitte benutzen Sie die BACK Funktion Ihres Browsers, um Ihre Ergebnisliste wieder zu erhalten.


©Friedrich Ebert Stiftung | Webmaster | technical support | net edition Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung | April 1999