Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
FES: Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
DIGITALE BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG
DEKORATION DIGITALE BIBLIOTHEK DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEKORATION


Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Träger der japanischen Wirtschaftserfolge sind die privaten Unternehmen, nicht ein überlegener Entwicklungsstaat oder eine Planungsbürokratie. Das "japanische Modell" ist weniger ein in sich stimmiges Gesamtkonzept als das Ergebnis konkreter historischer Entwicklungen und der optimalen Abstimmung der Betriebsorganisation und des Produktionsablaufes mit spezifischen Personalressourcen und Marktsignalen. Der japanische Erfolg beruht auf der Fähigkeit, kontinuierliche Massenfertigungsverfahren der Montageindustrien innerhalb der Firma und in Koordination verschiedener Firmen besonders effizient, schnell und flexibel zu organisieren. Dies bringt um so größere Vorteile, je mehr einfache Massenprodukte durch differenzierte (Montage-) Produkte ersetzt werden. Branchen, in denen Markt- und technologische Entwicklung stagnieren (Textilien, Nahrungsmittel) oder in Sprüngen verlaufen (Software, Biotechnologie, Mikroprozessoren), sind weniger erfolgreich. Flache funktionale Hierarchien, ein größerer und vagerer Verantwortungs- und Entscheidungsbereich der Produktionsarbeiter sowie ihre stärkere Beteiligung an der horizontalen Koordination der Produktionsabschnitte erlauben die flexible Anpassung standardisierter Verfahren an spezifische Situationen (Kundenwünsche, Produktions- und Materialfluß usw.). Basis ist eine teamorientierte, durch Job-Rotation und permanente Schulung (die Fabrik als learning environment) qualifizierte Belegschaft, die durch lebenslange Beschäftigung (in der Großindustrie) und ein hochdifferenziertes Anreiz-, Entlohnungs- und Statussystem motiviert wird.

Anstelle der kurzfristigen Gewinnerwartungen privater Kapitaleigner begünstigt das Netz der Beteiligungs- und Kreditbeziehungen miteinander verflochtener Unternehmensgruppen längerfristige Strategien. Dies führt jedoch auch - wie die aktuelle Krise zeigt - zu einer riskant geringeren Orientierungswirkung der Kapitalmarktsignale. Angesichts veränderter Umfeldbedingungen in Technologie-, Kapital- und Warenmärkten, Konsummustern und gesellschaftlichen Einstellungen gerät das "japanische Modell" unter Anpassungsdruck. Konvergenztendenzen zwischen japanischer und westlicher Unternehmensführung deuten sich an.

Bitte benutzen Sie die BACK Funktion Ihres Browsers, um Ihre Ergebnisliste wieder zu erhalten.


©Friedrich Ebert Stiftung | Webmaster | technical support | net edition Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung | April 1999