Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Das Januar-Erdbeben in Kobe war ein Natureignis, seine katastrophalen Auswirkungen aber haben politisch-administrative, soziale und ökonomische Voraussetzungen und Konsequenzen. Die vorherrschende städtische Bau- und Siedlungsweise, die Bedingungen des Immobilienmarktes, das völlige Fehlen einer wirksamen Stadtplanung, ein politisches System, das die Städte unterprivilegiert addieren sich zu einer strukturell bedingten Vernachlässigung der Städte, die die Vorsorge gegen Katastrophen behindert. Das Krisenmanagement offenbarte eine Mischung aus Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit, u.a. Folge bürokratischer Zersplitterung, unklarer Kompetenzen, konkurrenzbesetzter Rivalitäten: In der Krise ist die japanische Gesellschaft kopflos. Die japanische "Konsensgesellschaft" mißtraut der Gültigkeit rechtlich einklagbarer Normen. Der den Wert von starren Rechtsnormen relativierende konsenssuchende Pragmatismus im normalen Alltag kann im Katastrophenfall, mangels Vertrauen in verbindliche Regeln, zur Lähmung führen.

Die auf ca. 95 Mrd. Dollar geschätzten materiellen Schäden des Bebens entsprechen 0,3 Prozent der meßbaren Vermögenswerte des Landes - eine Summe, die mit 2,5 Prozent des Wertverlustes japanischer Aktien zwischen 1989 und 1991 nur einen Bruchteil der spekulativ verursachten Schäden der bubble economy ausmacht. Die Einbußen bei der laufenden Produktion werden durch die Nachfragesteigerungen des Wiederaufbaus mehr als wettgemacht werden. Ein konjunkturgefährdender Zinsanstieg oder eine schwere Finanzkrise sind wenig wahrscheinlich. Im Gegenteil könnte der Wiederaufbau als Konjunkturprogramm wirken, das man seit Jahren von der Regierung fordert. Ein Abzug der japanischen Kapitaleinlagen im Ausland zur Finanzierung der Erdbebenschäden und damit eine internationale Finanzkrise sind nahezu ausgeschlossen.

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