Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Einzelhandelspreise verarbeiteter Produkte sanken 1994 in Japan um etwa 5%. Diese "Preisrevolution" deutet auf langfristig bedeutsame - auch marktöffnende - Veränderungen im Handelssektor hin. Neben der konjunkturellen Rezession/Stagnation der Wirtschaft, verbunden mit der Aufwertung des Yen, sind strukturelle Veränderungen im Distributionssystem sowie Neuorientierungen in den Herstellerstrategien (Abbau exzessiver Produktdifferenzierung, Internationalisierung der Produktion) für den Preisrückgang verantwortlich.

Das hohe japanische Preisniveau und auch die Abschottung des Marktes gegen Importe erklären sich vor allem aus den kartellähnlichen Beziehungen zwischen Handel und Herstellern, meist Teile derselben Unternehmensgruppe (keiretsu). Wer sich auf dem japanischen Konsumgütermarkt etablieren will, muß entweder eine eigene Handelskette aufbauen oder mit einem der Hersteller-Händler-keiretsu eine Allianz bilden, da die meisten Importe von Handelshäusern dieser keiretsu kontrolliert werden. Der etwa im Vergleich zu Deutschland extrem regulierte und durchaus nicht "freie" Handel beginnt jetzt, mit billigeren no name Produkten oder importierten Waren, die den Aufwertungsgewinn des Yen erstmals an den Konsumenten weitergeben, die starren Hersteller-Händler-Kartelle aufzuweichen.

Für Verbraucherverbände ist Konsumentenschutz in erster Linie Gesundheits- und Umweltschutz, nicht Schutz vor Angebotskartellen oder überhöhten Preisen. Die hohen Inlandspreise finanzieren die Überbeschäftigung in den Unternehmen, eine Art funktionelles Äquivalent der Sozialabgaben in westlichen Industrieländern. Makroökonomisch können sinkende Konsumentenpreise tendenziell Gewinne und Löhne reduzieren und Realschulden und -zinsen ansteigen lassen: die konjunkturelle Erholung könnte sich so verzögern.

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