Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Wirtschaftsintegration in Greater China (VR China, Taiwan, Hongkong) ist - ohne Institutionalisierung oder politischen "Unterbau" - effizienter und intensiver als in anderen Regionen der Welt. Informelle Netzwerke zwischen Individuen sind dabei die treibende Kraft. Der ökonomischen Funktionalität von Netzwerken korrespondiert eine politische Dysfunktionalität. Die bisherige politische Teilung Greater Chinas ist die Erfolgsvoraussetzung der ökonomischen Kooperation, deren Dynamik durch politische Einigungsbestrebungen gefährdet werden könnte. Ob das Wachstumspotential von Greater China realisiert wird, hängt zunächst von der Entwicklung in der VR China selbst ab: Zunehmende regionale Entwicklungsunterschiede, Finanzkrise des Zentralstaates, Landflucht und Bevölkerungswachstum sowie die Autonomiebestrebungen der Provinzen begrenzen diese Chancen. Noch wichtiger ist, ob die chinesische Wirtschaftskultur sozialorganisatorische Muster erzeugen kann, die langfristig zu weltwirtschaftlich bedeutsamen Innovationsprozessen führen. Nicht mehr der Übergang zu einer Wettbewerbs-Wirtschaft oder die Transformation des Eigentumsregimes sind entscheidend, sondern ob der Staat die öffentlichen Güter bereitstellen kann, die zum Wachstum des Marktsektors komplementär sind, wie Rechtssicherheit, Unbestechlichkeit und Effizienz der Verwaltung, Bildungspolitik, Infrastruktur und ein funktionierendes Steuersystem.

Greater China wird eine politisch schwach integrierte Gesellschaft werden, deren ländliches Fundament von Netzwerken zwischen den Handels- und Industriezentren einer städtischen Kultur durchwoben ist, die auch einen starken taiwanesischen Einfluß erfährt. Ob und wie die Führung der Volksrepublik diese Spannung zwischen retardierender ländlicher und dynamischer städtischer Gesellschaft politisch, wirtschaftlich, sozial und kulturell ausbalancieren kann, bestimmt die Perspektiven der Entwicklung: Das bedeutet, daß Greater China den Weg des "ostasiatischen Wunders" nicht nochmals beschreiten kann, für den die Existenz politisch und kulturell dicht integrierter Gesellschaften entscheidend war.

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