Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Hohe Regulierungsdichte und bürokratische Behinderungen, die Protektion ineffizienter Wirtschaftssektoren und vor allem aufwertungsbedingte steigende Kosten gefährden (aus Unternehmersicht) die internationale Wettbewerbsfähigkeit des "Standorts Japan". Der Zufluß ausländischer Investitionen wurde nie als positives Standortkriterium angesehen; ausländische Investitionen werden weiterhin eher behindert als gefördert. Japan ist ein Hochlohnland mit (auf der Vergleichsgrundlage der Wechselkurse) den höchsten Nettolöhnen der Welt. Lohnnebenkosten für das soziale Sicherungssystem sind relativ niedrig, steigen aber u.a. wegen des Alterungsprozesses der Gesellschaft künftig erheblich an. Zudem finanzieren die großen Unternehmen selbst teilweise die reale (nicht die offizielle) Arbeitslosigkeit, indem sie Arbeitnehmer weiterbeschäftigen, die keine wirtschaftlich sinnvolle Tätigkeit ausüben. Diese informell gesicherte Beschäftigungsstabilität behindert die Restrukturierung der Unternehmen. Die Arbeitszeiten in Japan sind die längsten der entwickelten Welt. Durch Betriebsgewerkschaften und betriebszentrierte Tarifverhandlungen sind Löhne, Arbeitszeiten und Sozialleistungen (statt durch starre flächendeckende Tarifverträge) sehr flexibel auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmen zugeschnitten. So werden die leistungsfähigen Unternehmen durch überdurchschnittliche Lohnkosten bestraft, minder produktive Firmen werden nicht aus dem Markt gedrängt, sondern durch niedrige Lohnkosten subventioniert.

Hohe Regulierungsdichte und der wirtschaftliche Einfluß der staatlichen Verwaltung werden vehement beklagt, obwohl beides in erster Linie dem Schutz wirtschaftlicher Aktivität selbst dient. Deshalb reklamieren zwar Opfer und Nutznießer von Regulierungen grundsätzlich mehr Marktfreiheit, aber immer nur dort, wo sie einem selbst nicht schadet. In der japanischen Standortdebatte gilt die Belegschaft nach wie vor als wichtigstes asset des Unternehmens. Die wichtigsten Probleme liegen aus Unternehmersicht weniger bei Steuerbelastungen als in der Polarisierung zwischen einem Segment hochproduktiver, effizienter und exportorientierter Großunternehmen der verarbeitenden Industrie und einem weitaus größeren Segment wenig produktiver und vor Konkurrenz geschützter Wirtschaftssektoren. Bekannt sind die angeblichen mentalen Wettbewerbsvorteile der japanischen Arbeitnehmer: Fleiß, Mobilität, Verzichts-, Lern- und Kooperationsbereitschaft. Vorbildlich scheinen heute vor allem die Behutsamkeit, mit der das Management der Großunternehmen in der Krise mit den (Stamm)Belegschaften verfährt, und seine Sorge um (wenn auch nur symbolische) Fairness und ausgeglichene Lastenverteilung.

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