Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Mindestens fünf Prozent (statt bisher 0,2 Prozent) der deutschen Wälder vor allem im öffentlichen Besitz sollen zu Schutzgebieten erklärt werden, in denen keine forstwirt- schaftlichen Eingriffe vorgenommen werden dürfen. Private Waldbesitzer sollen Stillegungs- Prämien erhalten, wenn sie sich am Aufbau dieser "Naturwaldzellen" beteiligen. Daneben soll naturgemäße Waldwirtschaft mit der Bevorzugung einheimischer Laubbaumarten, arbeitsplatzschaffenden schonenden Erntemethoden und dem Verzicht auf Pestizid- einsatz und Bodenbearbeitung zum Leitbild einer "nachhaltigen Waldpolitik" werden. Neben diesen Forderungen enthält das Gutachten ein waldpolitisches Programm mit einem Katalog konkreter Maßnahmen zur ökologischen und ökonomischen Sanierung der Wälder. U.a. sind Landeswaldbauprogramme, Bundes- und Landeswaldgesetze von einer ressort- übergreifenden "Waldkoalition" aus Vertretern der Forst- und Holzwirtschaft, der Städte, der Bundes- und Landesregierungen und der Umweltverbände unter dem Ge- sichtspunkt nachhaltiger Bewirtschaftung zu überprüfen. Z.B. sollten die Jagdgesetze statt Wildhege und trophäenorientierter Abschußplanung eine waldverträgliche Reduktion des Schalenwildbestandes ermöglichen, da der Wildverbiß die Forstwirtschaft finanziell und den Wald ökologisch erheblich belastet.

Diese Strategie impliziert eine praktische Kritik an der Untätigkeit der Bundesregierung bei der Umsetzung der auch von ihr unterschriebenen Nachhaltigkeitsstrategie, wie sie 1992 auf der Umweltkonferenz in Rio verabschiedet wurde. Dabei zeigen die verheerenden Waldbrände in Südostasien und ihre katastrophalen Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, daß Wälder ein unersetzlicher Bestandteil der Lebensgrundlagen sind. In den großen Feuern offenbart sich die alltägliche Geringschätzung des Umweltschutzes. Allein in Asien fällt jedes Jahr ein Prozent der Wälder Holzkonzernen, Brandrodern, Verkehrs-, Stadt- oder Staudammplanern zum Opfer. Auch in Deutschland droht die Naturreserve Wald innerhalb der kommenden Jahrzehnte großflächig verlorenzugehen, sollte die dringend erforderliche nationale und globale Kurskorrektur im Umgang mit den Wäldern nicht schnellstens eingeleitet werden. Eine integrierte Waldpolitik, die auch im Interesse der Forstwirtschaft liegt, setzt an vier Feldern an: die Umsetzung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung, die Förderung der ökologisch sinnvollen Holzverwendung, die Reduktion der waldschädigenden Emissionen und eine wirksame internationale Zusammenarbeit zum Schutz der Wälder.

Die neuesten Berichte zur Situation der Wälder bestätigen die alarmierenden Meldungen. Weltweit werden jährlich 16 Millionen ha Wald vernichtet, dadurch verringert sich die biologische Vielfalt der Erde täglich um 50 bis 200 Arten. Vor allem müssen die waldschädigenden Emissionen deutlich verringert werden. Verkehrsvermeidung, Stärkung umweltfreundlicher Verkehrsmittel, die Förderung der ökologischen Landwirtschaft und die Senkung des Energieverbrauchs nützen dem Wald. Eine ökologisch-soziale Steuerreform, die Umweltbelastungen verteuert und Arbeitskosten senkt, aber auch die Ausrichtung der Agrarsubventionen an ökologischen Kriterien sind hierfür notwendig.

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