Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Qualität des Standorts Brasilien hat sich dramatisch verbessert. Dies bedeutet nicht, daß Brasilien heute ein außergewöhnlich attraktiver Standort wäre: Die makroökonomische Stabilität ist nicht konsolidiert. Eine wichtige Ursache für die früher hohe Inflation, das staatliche Haushaltsdefizit und seine Schließung durch kurzfristige Kreditaufnahme, konnte nur vorübergehend beseitigt werden. Eine grundlegende Reform der Staatsfinanzen steht aus. Unternehmen leiden in Brasilien unter einer Reihe von spezifischen Kostenfaktoren ("Custo Brasil") - ein ineffizientes, intransparentes und unfaires Steuersystem, hohe Kosten von Bürokratie, Regulation und Unsicherheit, teure Häfen, hohe Transportkosten und hohe Lohnnebenkosten. Nur wenige dieser Kostenfaktoren werden sich kurzfristig beseitigen lassen. Faktoren, die im Standortwettbewerb zählen (unternehmerfreundliches Klima, reaktionsschnelle und flexible öffentliche Verwaltung, staatliche Programme zur beruflichen Bildung), sind in Brasilien eher selten anzutreffen. Die öffentliche Verwaltung ist meist inflexibel, langsam und oft wenig kompetent. Organisatorische Neuerungen wie one-stop agencies oder first- stop agencies sind selten. Entscheidungen werden unter politischen Opportuni- tätsgesichtspunkten gefällt und folgen selten einer ökonomischen Rationalität. Im politischen Raum hat die Einsicht, daß Brasilien im internationalen Standortwettbewerb seine Position behaupten muß, noch nicht Raum gegriffen; Standortmarketing, findet eher im Stile von Waschmittelreklame statt, solide sozioökonomische Daten sind nur schwer zu bekommen, gezielte Programme zur Stärkung des unternehmensbezogenen Umfelds sind die Ausnahme. Gleichwohl hat sich die Wettbewerbsfähigkeit der brasilianischen Industrie insgesamt verbessert, und es entwickelt sich ein zunehmend leistungsfähiges Umfeld. Verschiedene Beispiele deuten darauf hin, daß Brasilien kein ungünstiger Standort für den Einsatz neuer Organisationskonzepte ist (schlanke Produktion, extrem devertikalisierte Fabriken). Überdies gelingt es einzelnen Bundesstaaten, günstige Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen. Brasilien ist ein Standort, der mit einem höheren Risiko behaftet ist als andere emerging countries, aber dies auch durch eine entsprechende Risikoprämie wettmacht. Auch für ausländische Unternehmen gilt, daß die Zeiten eines laschen Wettbewerbsdrucks vorbei sind. Wer diese Risikoprämie einstecken will, muß effizient, flexibel und schnell sein und kann dann mit etwas Glück von einem schnell wachsenden Markt profitieren.

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