Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die Debatte um Staatsmodernisierung, "schlanke Verwaltung" und den Umbau des öffentlichen Sektors läuft Gefahr, frauenspezifische Belange zu ignorieren. Der "Konzern Stadt als Dienstleistungsunternehmen" oder "flache Hierarchien", effienzorientierte Aufgabenkritik und andere Leitbilder, Zielvorstellungen und Kernbegriffe der Verwaltungsreform sind nur scheinbar geschlechtsneutral. Die Konsequenzen, die sie für die Situation von Frauen als Beschäftigte und Bürgerinnen haben können, fallen oft unter den Tisch. Zu untersuchen ist, inwieweit die Verwaltungsreformdebatte und -praxis die Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt, um eine erneute Ausgrenzung von Frauen zu verhindern. Aufgabenkritik, der Ausgangspunkt aller Reformüberlegungen, darf nicht geschlechtsneutral verstanden werden: Die Veränderung von Aufgaben oder deren Streichung aus dem Angebot der öffentlichen Dienstleistungen hat geschlechtsspezifische Wirkungen. Diese müssen erkannt und zum Gegenstand politischer Entscheidungen gemacht werden. Frauen brauchen z.B. eher den Ausbau öffentlicher Dienstleistungen und die Entprivatisierung ihrer privat und unbezahlt geleisteten Arbeit für Kinder und Alte. Die Verlagerung dieser öffentlichen Dienstleistungen in den Bereich der unbezahlten Arbeit bewirkt, daß nicht mehr wahrgenommen und politisch gewertet wird, daß Frauen diese Arbeit im Haushalt, in Initiativen und Ehrenamt leisten. Lean Management und der Abbau der mittleren Führungsebenen - oft das maximal erreichbare Niveau für Frauen - bewirken weiter schwindende Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen. Die Verlagerung der Kompetenzen von der mittleren Führungsebene muß auch auf die von Frauen besetzten Arbeitsplätze erfolgen, damit sich nicht eine geschlechtsspezifische Kompetenzzuweisung zu Lasten der Frauen ergibt. Frauenbüros, Gleichstellungsbeauftragte und andere frauenorientierte Reformprojekte sind in Gefahr, dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Gleichstellung ist jedoch auch in der reformierten Verwaltung eine wichtige Querschnitts- aufgabe. Kommunale Dienstleistungen und Projekte sind nach ihrem Beitrag für die Gleichstellung von Frauen und Männern zu prüfen und zu gestalten. Selbst das Leitbild des allseitig interessierten, flexiblen, qualifizierten, rundum verfügbaren Mitarbeiters mit räumlich und zeitlich fast unbegrenztem Engagement trägt deutlich "männliche" Züge. Frauen leisten die Reproduktionsarbeit für Männer, Kinder und Alte und brauchen daher kürzere, berechenbare Erwerbsarbeitszeiten und Pausen, in denen sie über bestimmte Zeiträume flexibel aus dem Arbeitsprozeß ausscheiden können. Auch die "Kundenorientierung" der öffentlichen Verwaltung ist vorwiegend männlich definiert (Bauherr, Autobesitzer), Situation und Wünsche der Kundinnen werden seltener berücksichtigt. Damit Frauen nicht zu den Verliererinnen der Reformprozesse werden, sind alle Änderungen anhand eines Fragenkatalogs ("checkliste") zu überprüfen, um die Gleichstellungsverpflichtung als Querschnittsaufgabe zu verwirklichen.

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