Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Seit dem Massaker am Tiananmen haben sich China und das China-Bild in der Welt erheblich verändert. Nach dem Boom 1992-94 treten die längerfristigen, strukturellen Entwicklungsdeterminanten hervor. Charakteristika sind die wirtschaftliche und gesellschaftliche Regionalisierung des Landes, die Internationalisierung seiner Wirtschaft, die weitergehende Institutionalisierung politischer und gesellschaftlicher Prozesse bei gleichzeitig schwindender Fähigkeit der Zentralregierung, die Gesellschaft zu steuern, und der Ausbau einer eigenständigen Machtposition Chinas im politischen Weltsystem. Trotz weiterer Institutionalisierung der Marktwirtschaft bleiben Inflation, Arbeitslosigkeit und die Agrarproblematik Schlüsselprobleme der Entwicklung. Der Boom der neunziger Jahre hat weitreichende Auflösungserscheinungen in Politik und Gesellschaft zur Folge (allgegenwärtige Kommerzialisierung). In dieser labilen Lage kann das Nachfolgeproblem große Bedeutung erlangen, allerdings sind die Machtverhältnisse komplex und in relativ stabile Rahmenbedingungen eingebettet, wie etwa die selbständige Interessenpolitik staatlicher Organisationen.

Langfristig gesehen kommt China auf politische und gesellschaftliche Strukturen, vergleichbar denen des späten Kaiserreiches, zurück, wie etwa hoher gesellschaftlicher Mobilität, schwacher bürokratischer Durchdringung der Gesellschaft und Privatisierung staatlicher Ordnungsfunktionen. Entscheidende Herausforderung an diese Strukturen werden die regional stark divergierenden Entwicklungspotentiale sein, bei gleichzeitig zunehmend schwächerer Integration des Binnenmarkültes. Ein GATT-Beitritt Chinas könnte dieses Problem verschärfen und innenpolitische Interessengegensätze aktualisieren. Chinas innerer Wandel wird es als einen weltpolitischen Akteur besonderer Art konstituieren, die mit dem Begriff "Denationalisierung" charakterisiert werden könnte.

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