Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung
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Abstract aus der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung

Ein wachsender Anteil niedrig qualifizierter Arbeitnehmer ist in Deutschland vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Für diese Tendenz kann angesichts der Exporterfolge jedoch nicht die Globalisierung verantwortlich gemacht werden. Demgegenüber bleibt die Beschäftigung bei der Produktion nicht handelbarer lokaler Güter (Haushaltsdienste, Einzelhandel, Bauwirtschaft, Transport, Freizeit etc.) weit hinter dem Niveau anderer Länder zurück. Das Benchmarking mit der Beschäftigungsstruktur der USA zeigt, daß in Deutschland die Erwerbsquote im Dienstleistungssektor gut 12 Prozentpunkte unter jener in den USA liegt. Damit werden in der Bundesrepublik Beschäftigungschancen für mehr als sechs Millionen zusätzliche Arbeitnehmer verschenkt. Deutschland braucht daher eine Doppelstrategie aus beschäftigungsorientierter Deregulierung, vor allem bei den nicht handelbaren Gütern, und einer Verbesserung der relativen Preise zugunsten einfacher Dienstleistungen durch Absenkung der Abgaben bei niedrig Qualifzierten mit niedrigen Löhnen.

Die makroökonomischen Ursachen für die schlechten Arbeitsmarktchancen für Niedrigqualifizierte liegen im langfristig trendmäßig zu niedrigen Wachstum, in den zu hohen Abgaben auf das Einkommen und in einem die Ungleichheit verschärfenden Steuersystem, in der geringen Lohnspreizung, der geringen Arbeitsintensität bei der Erzeugung des Sozialprodukts sowie in der Form des technischen Fortschritts, der niedrig Qualifizierte in der Produktion immer häufiger überflüssig macht. Weniger qualifizierte Erwerbspersonen werden so immer öfter in eine Armutsfalle und die Abhängigkeit von staatlichen Transferzahlungen getrieben, aus der sie selbst nicht mehr herauskommen. Gegen diese seit langem entstandenen Verwerfungen gibt es keine kurzfristige, umfassende Lösung.

Maßnahmen zur Höherqualifizierung wirken in Teilbereichen. Die Verbreiterung der Steuerbemessungsgrundlage bei gleichzeitig kräftiger Tarifabsenkung vor allem im unteren Einkommensbereich wird die Nachfrage nach einfachen Dienstleistungen erhöhen, aber auch die Angebotsbedingungen verbessern. Eine Entkoppelung zwischen Bruttolöhnen und Nettolöhnen im unteren Einkommensbereich durch staatliche Zuschüsse zu den Lohnnebenkosten können vor allem den Markt für einfache Dienstleistungen ausweiten.

Notwendig ist gleichzeitig eine Strategie der beschäftigungsorientierten Deregulierung. So bietet die Bundesrepublik beispielsweise pro tausend Einwohner nur etwa halb so vielen Menschen einen Arbeitsplatz im Einzelhandel wie die USA. Ursachen sind vor allem Überregulierung, bürokratische Hemmnisse und Flächenrationierungen, denen sich diese Branche in der Bundesrepublik gegenübersieht und die eine Ausdehnung des Dienstleistungsangebots und damit die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitsplätzen behindern. Gleiches gilt für die deutsche Handwerksordnung, das Bauwesen, das Reparaturhandwerk und für Haushaltsdienste. Durch die Deregulierung könnten nicht nur Kosten- und Preissenkungen und damit eine Marktausweitung erzeugt, sondern auch qualifikationsparende technische Fortschritte angeregt werden, die eine arbeitsintensivere Erstellung des Sozialprodukts bei größeren Beschäftigungsanteilen für einfache Tätigkeiten erlauben.

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