ARCHIV FÜR SOZIALGESCHICHTE
DEKORATION

Archiv für Sozialgeschichte
Band XLV/ 2005 - Zusammenfassungen


Stefan Berger / Norman LaPorte

Britische Parlamentarierkontakte nach Osteuropa 1945-1989. Zwischen fellow travelling und ostpolitischer Erneuerung.

Der Aufsatz untersucht die Haltungen britischer Parlamentsabgeordneter zum kommunistischen Osteuropa in der Zeit des Kalten Krieges. Dabei gilt seine besondere Aufmerksamkeit der Sowjetunion und der DDR - mit nur gelegentlichen Blicken zu anderen osteuropäischen Staaten. Besonders die Abgeordneten der Labour Party bemühten sich aus ganz unterschiedlichen Motivlagen heraus um das Gespräch mit den kommunistischen Diktaturen. Nachdem sich das Bild von der Sowjetunion auch unter der britischen Linken nach 1945 zunehmend eintrübte, war es bei den meisten Abgeordneten nicht Sympathie für angeblich sozialistische Staaten, sondern das Bemühen, die Spannungen zwischen Ost und West abzubauen, das zum Motor der Dialogbereitschaft wurde. Eine Anzahl ostpolitischer Initiativen britischer Parlamentarier wird hier vorgestellt. Innerhalb der 1960er-Jahre verlor die britische Ostpolitik die Vorreiterrolle, die ihr bis in diese Zeit hinein noch zukam. Allerdings unterstützte die Mehrheit der britischen Abgeordneten aller Parteien die Ostpolitik der sozialliberalen Regierungen der Bundesrepublik, sahen sie in dieser Politik doch den Ausdruck ihres lang gehegten Bemühens um friedliche Koexistenz. An einer solchen Zielvorgabe hielten viele, gerade auch im Zusammenhang des zweiten Kalten Krieges unter der Präsidentschaft von Ronald Reagan, fest. Menschenrechtsverletzungen jenseits des Eisernen Vorhanges wurden nur von kleinen Gruppierungen auf der Linken der Labour Party scharf kritisiert. Die Mehrheit der Abgeordneten bemühte sich weiterhin um einen Dialog mit den kommunistischen Machthabern, wobei sie seit Mitte der 1980er-Jahre durchaus hinter den Reformbemühungen Mikhail Gorbatschows standen. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes in Osteuropa schwankte die Haltung britischer Parlamentarier zwischen euphorischer Unterstützung der Revolutionen in Ostmitteleuropa und Angst vor einer erneuten Instabilität und Unübersichtlichkeit der politischen Großwetterlage nach dem Ende des Kalten Krieges.


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