ARCHIV FÜR SOZIALGESCHICHTE
DEKORATION

Archiv für Sozialgeschichte
Band XXXXI / 2001 - Zusammenfassungen


Charlotte Sjöholm

Die Deutschen und ihre Sieger. Bilder der Okkupanten in deutschen Speilfilmen der 1970er und 1980er Jahre


Der Text behandelt Spielfilme der DDR und der Bundesrepublik aus den siebziger und frühen achtziger Jahren, die im Kontext der Debatten um nationale Identität und die Beziehungen zur jeweiligen ehemaligen Siegermacht nach dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Nationalsozialismus gesehen werden können. Ostdeutsche Filme sind: Zwischen Nacht und Tag (Brandt, 1975), Mama, ich lebe (Wolf, 1977) und Sonjas Rapport (Stephan, 1982); westdeutsche: Stunde Null (Reitz, 1977), Die Ehe der Maria Braun (Fassbinder, 1978) und Peppermint Frieden (Rosenbaum, 1983). Dargelegt werden anhand der verschiedenen Filme die Charakterisierung der sowjetischen bzw. amerikanischen Rollenfiguren und deren jeweiliger deutscher Gegenpart. Die historischen Situationen werden im Licht der Filmgeschichten aufgezeigt und in die Entstehungsbedingungen der Filme selbst eingebettet. Anstelle einer bestimmten These oder einer besonderen Methode, die Filme historisch zu interpretieren, werden ausgewählte Aspekte unter filmwissenschaftlichen Gesichtspunkten und in ihrem filmischen Kontext beschrieben.

Der Zeitraum, in dem die ausgewählten Filme entstanden, ist insofern für diesen filmwissenschafltichen Diskurs günstig, weil die Filme nicht mehr von den überkommenen Mustern des Kalten Krieges geprägt waren, aber dennoch die Unterschiede der beiden Systeme deutlich werden lassen. Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR befand sich die Filmlandschaft in einem Prozess, den man als Subjektivierung oder Fokussierung auf das Individuum beschreiben kann. Ebenso kennzeichnend ist für beide Seiten, dass das Problem der nationalen Identität und Fragen nach subjektiven und kollektiven Wurzeln aufgegriffen wurden.

Ein wichtiges Motiv wiederholt sich in den Filmen aus beiden deutschen Staaten, nämlich das des unschuldig verurteilten Deutschen. Darin wird u. a. auch das Bild eines hilflosen Ausgeliefert-Seins an die jeweilige Großmacht vermittelt. Auffallend vor allem an den DDR-Filmen ist, dass sie neben der üblichen und fast zwangsläufigen Idealisierung der Sowjetunion, der Verleugnung und Verharmlosung stalinistischer Verbrechen doch mit großen Fragezeichen enden und Probleme durchaus offen lassen. Die im Aufsatz behandelten westdeutschen Filme sind vor allem von der Einstellung der sogenannten "68er" gegenüber den USA geprägt. Der Idealisierung und Nachahmung folgte hier die Vorstellung von "Verrat". Enttäuschung und/oder Unverständnis bestimmten jedoch eher als konsequente Ablehnung die Erfahrung mit der amerikansichen Siegermacht in der Sicht der filmischen Protagonisten.

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