Clemens Zimmermann
Landkino im Nationalsozialismus
Der Beitrag untersucht einen wenig bekannten Teil der nationalsozialistischen Propaganda- und Medienpolitik, nämlich die Einführung von Film und Kino in der ländlichen Gesellschaft Deutschlands. Den Nationalsozialisten ging es nicht nur darum, spezifische Parteipropaganda in Kleinstädten und Landorten als regelmäßige Veranstaltung zu etablieren, sondern auch um die generelle mediale Durchdringung der ländlichen Gesellschaft, analog zur Werbung für den Rundfunkempfang und zur ständigen Mobilisierung der Bevölkerung durch "Ereignisse" und Veranstaltungen. Darüber hinaus sollte der Filmindustrie ein zusätzliches Absatzfeld erschlossen werden. Insgesamt waren die Aktivitäten des Propagandaministeriums, durch die den Bauern und Landbevölkerung ein regelmäßiges, durchaus anspruchsvolles und partiell durch einen "feierlichen" Rahmen symbolisch aufgeladenes Kino zu bieten, von beeindruckendem Umfang, aber insgesamt zu ambitioniert, um nicht in der Realität weitgehend zu scheitern. Zwar gelang es, außerhalb der privatwirtschaftlichen Spielstätten ein beträchtliches Publikum zu erreichen, doch blieben tatsächliches Filmangebot und das Niveau der Nachfrage hinter den selbst geweckten Erwartungen zurück. Es zeigten sich besondere Ansprüche an das Programm und Aneignungsweisen des ländlichen Kinopublikums, an denen man nicht vorbeigehen konnte. Es gelang auch nicht, spezifische Sujets und Genres für das Landpublikum zu entwickeln. Offene und unterschwellige Propaganda sickerte zwar in dieses Publikum ein, stieß jedoch auf dessen besonders ausgeprägte Unterhaltungsansprüche. Die Filme selbst mögen zur Aufrechterhaltung eines illusionären schönen Scheins beigetragen haben, doch das Ambiente des NS-Landkinos erwies sich umso mehr als ernüchternd, als sich in den Städten das technische Niveau der Filmvorführungen erheblich verbessert hatte.